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AM ENDE DER STRASSE Cormac McCarthy - Ein Amerikaner
Er gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen amerikanischen Autoren, wird oft mit William Faulkner verglichen und als dessen würdiger Nachfolger angesehen, und erhielt für seine Bücher die wichtigsten amerikanischen Literaturpreise. Seine Geschichten, erzählt in einem lakonischen, aber sehr rhythmischen Sprachstil, handeln stets von den dunklen Seiten des Landes und des Mythos Amerika, von seinen Abgründen und von den Menschen, die in ihren Schatten leben, von ihrem Leiden und ihrem Lebenswillen, von einer archaischen Welt und verzweifelt am Leben bleiben wollenden Außenseitern. Cormac McCarthy ist selbst ein sehr zurückgezogen lebender Mensch, der während seiner Karriere auch Phasen bitterer Armut kennenlernen musste, mittlerweile 74 Jahre alt, und gab in vier Jahrzehnten schriftstellerischer Arbeit nur zwei Interviews. 30 Jahre lang wurden seine Bücher nur von wenigen Eingeweihten gelesen, was sich dann aber schlagartig 1992 mit All the Pretty Horses änderte. Für diesen Roman, der zum Bestseller avancierte und 2000 auch verfilmt wurde, bekam er den National Book und den National Book Critics Circle Award und jede Menge ungewohnter Aufmerksamkeit. Als erster Teil seiner sogenannten Border-Trilogie erzählt All die schönen Pferde die Geschichte zwei jugendlicher Ausreißer, die 1949 in Mexiko ihre Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuern befriedigen wollen und eine altertümliche und erschreckend grausame Kultur kennenlernen und für ihre Erkenntnisse einen hohen Preis zahlen müssen. Die anderen beiden Teile der Trilogie folgten 1994 mit The Crossing (Grenzgänger) und 1998 mit Cities of the Plain (Land der Freien), ebenfalls zwei gewaltige Stücke amerikanischer Gegenwartsprosa. Auf deutsch erschienen seine frühen Romane immer mit etwas Verspätung, d.h. vor dem Erfolg von All the Pretty Horses praktisch gar nicht. So kam Suttree von 1979, eine epische Geschichte über einen verzweifelten Besessenen, der seiner bürgerlichen Existenz entflohen ist und nun in einem Slum in Tennessee auf einem Hausboot lebt, erst 1992 als Verlorene in die hiesigen Buchläden und sein apokalyptisches Meisterwerk über die Indianerkriege und die Expansion nach Westen, Blood Meridian, Or the Evening Redness in the West von 1985 musste bis 1996 warten, ehe Die Abendröte im Westen erschien. Und von seinen ersten drei Romanen, The Orchard Keeper (1965), Outer Dark (1968) und Child of God (1974) sind immer noch zwei unübersetzt, lediglich Outer Dark hat es nach 26 Jahren seit seiner Erstausgabe 1994 nach Draußen im Dunkel geschafft. Das Manuskript für seinen ersten Roman schickte McCarthy an den bekannten Verlag Random House, weil dieser nach eigenem Bekunden der einzige Verlag war, den er kannte. Und zufällig geriet das Script an den Lektor von William Faulkner, der drei Jahre zuvor verstorben war, und so nahm eine zwanzigjährige Zusammenarbeit ihren Anfang. 2005 erschien No Country for Old Men, der letztes Jahr und wie die diesjährige Oscarverleihung bewies, mit großem Erfolg von den Coen-Brüdern verfilmt wurde. Und nur ein Jahr später folgte sein bislang zehnter und letzter Roman The Road, für den er den Pulitzer-Preis erhielt. Eine unendlich traurige und düstere Geschichte, die aus der Bibel stammen könnte, so einfach und universell ist sie gehalten, eine Geschichte über einen Vater und seinen kleinen Sohn und ihre hoffende und doch hoffnungslose Wanderung durch die verkohlten Reste des amerikanischen Imperiums, immer die gleiche mit Asche bedeckte Strasse entlang. Soll 2009 vom Australier John Hillcoat (Ghosts of the Civil Dead, The Proposition) verfilmt werden, ebenfalls angekündigt ist Blood Meridian unter der Regie von Ridley Scott. Hoffentlich zieht der Mann noch eine Weile weiter, auf seiner Strasse durch Amerika. -- W. Gladow --
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