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Filmarchiv Negativeland - Filmkalender |
Seit 1990 Filmarchiv Negativeland
Die älteste Programmvideothek in Berlin (Ost)
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18. Mai 2011
Gustav Mahler
Mahler
UK 1974, 115 min Regie: Ken Russell Darsteller: Robert Powell, Georgina Hale, Lee Montague
Vor 100 Jahren starb in Wien der an einem doppelten Herzleiden erkrankte berühmte Komponist Gustav Mahler. Neben dem körperlichen Leiden war die Ursache des relativ frühen Todes des 50jährigen Musikers und Dirigenten die nicht gering einzuschätzende Verlustangst für seine über alles geliebte Frau Alma Mahler - nicht unbegründet, erreichte ihn doch einige Monate zuvor ein aus Versehen an ihn adressierter Liebesbrief von Walter Gropius, mit dem Alma Mahler eine heftige Affäre begonnen hatte. Die großen triumphalen Erfolge in den letzten Lebensjahren trafen auf eine schwere persönliche Krise, die Mahler am Ende das Herz brach.
Der britische Regieexzentriker Ken Russell hatte 1974 dem österreichischen Komponisten Mahler ein filmisches Denkmal gesetzt. In seinem letzten Lebensjahr reist Mahler zusammen mit seiner Frau von New York nach Wien, während der Reise erzählt der Film in Rückblenden die wichtigsten Lebensstationen des Musikers. Höhepunkt ist ein Alptraum des aus beruflichen Gründen zum Katholizismus konvertierten Mahlers, der in typischer Manier Ken Russells mit überbordender visueller Fantasie den Walkürenritt mit brennendem Kreuz, nackter Walküre mit Stahlhelm und erhobenem Schwert und ähnlich illustrer Ausstattung bebildert. Zusammen mit The Music Lovers (1970) über Leben, Werk und Tod Tschaikowskis und Lisztomania (1975) über Franz Liszt, Richard Wagner, Hitler und Frankenstein bildet Mahler Ken Russell's Filmtrilogie über berühmte Komponisten.
22.03.2011
william Shatner und Leonard Nimoy zum 80. Geburtstag
Mit der Krücke auf die Brücke
Sie sind die dienstältesten Weltraumkader unter denen, die es je in andere Sonnensysteme geschafft haben. In ihren Rollen als Captain Kirk und Mr. Spock wurden sie weltweit bekannt und zu Markenzeichen einer der größten Filmwelten, die je im TV und im Kino geschaffen wurden. Diese Woche werden sie beide 80 Jahre alt, der Kanadier William Shatner und der Amerikaner Leonard Nimoy. Der eine wurde am 22. März 1931 in Montreal, der andere vier Tage später in Boston geboren. Zusammen auf der Brücke der Enterprise bildeten sie eines dieser berühmten ungleichen Paare (eigentlich im Trio mit Pille, wie Dr. McCoy im Deutschen genannt wurde) der Filmgeschichte, der eine impulsiv und schlagkräftig, der andere stets logisch und emotionslos.
Spock: "Ich bin überrascht, Sie zu sehen und angenehm gerührt." Kirk: "Danke für den Gefühlsausbruch." Spock: "Ich fühle mit Ihnen, Captain." Kirk: "Na, dann besteht ja noch Hoffnung für Sie, Mr. Spock."
Leonard Nimoy blieb der Rolle des hochintelligenten Vulkaniers bis in die jüngste Zeit hinein treu - der letzte Auftritt erfolgte 2009 im elften Star Trek-Kinofilm. Auch wenn er natürlich in der ganzen Zeit, mittlerweile ist es über 40 Jahre her, dass die erste Star Trek-Serie entstand, auch als Regisseur, Autor, Sänger (in der Hippiehochzeit Ende der 60er) und Fotograf (letztes Jahr gab es eine Ausstellung in Berlin) tätig war. Vor genau einem Jahr gab Nimoy bekannt, dass er sich aus dem Filmgeschäft verabschieden wird.
William Shatner brachte es neben dem draufgängerischen Weltraumcowboy zu zwei weiteren sehr populären Serienrollen. In den 80er Jahren war er T.J. Hooker in der gleichnamigen Polizeiserie, von 2004-08 spielte er den Anwalt Denny Crane in Boston Legal. Daneben war Shatner ebenfalls als Regisseur und Sänger (das letzte Album erschien 2004, mit am Mikro war u.a. Punklegende Henry Rollins) aktiv. Seit 2010 ist er die Hauptrolle in der Comedyserie $h*! My Dad Says.
Aussichten, dass man die beiden nochmals zusammen im Weltall sehen kann, bestehen also seit längerem nicht mehr, damit ist die Gefahr, mit der Krücke in der Hand Geburtstagsparties auf der Raumschiffbrücke geben zu müssen, wohl gebannt. Oder wie es der ebenfalls 80jährige Space Cowboy Clint Eastwood auf die oft gestellte Frage nach einer Fortsetzung der Dirty Harry-Filmreihe ausdrückte: Sollte ich als Harry Callahan im Rollator durch Los Angeles tapern und "Make my day!" nuscheln?
06.02.2011
Ronald Reagan zum 100. Geburtstag
The Killers
USA 1964, 93 min Regie: Don Siegel Darsteller: Lee Marvin, Angie Dickinson, John Cassavetes, Ronald Reagan
Heute vor 100 Jahren wurde Ronald Reagan geboren, dem als 40. Präsidenten der USA über zwei Amtsperioden hinweg gelang, was ihm als Schauspieler in über 50 Filmen verwehrt geblieben war, nämlich großes Kino zu machen. Unter ihm sollte der große Sternenkrieg nicht nur Luke Skywalker und Obi-Wan Kenobi vorbehalten sein, was den militärisch-industriellen Komplex zu kostspieligen Hochleistungsfantasien über Kampfsatelliten und Laserpistolen veranlasste und als Hauptprodukt zum Fall der Mauer führte. Viele von Ronald Reagans Äußerungen machten den Eindruck, als seien sie Filmen entlehnt:
"It's silly talking about how many years we will have to spend in the jungles of Vietnam when we could pave the whole country and put parking stripes on it and still be home for Christmas." (1965) "My fellow Americans, I'm pleased to tell you today that I've signed legislation that will outlaw Russia forever. We begin bombing in five minutes." (1984) "President von Weizsaecker has said: the German question is open as long as the Brandenburg Gate is closed... Mr. Gorbachev, open this gate! Mr. Gorbachev, tear down this wall!" (1987)
In der Filmwelt Hollywoods waren Ronny Reagan aber keine großen Erfolge beschieden gewesen, zu mittelmäßig war die Vielzahl der Filme gewesen, in denen er mitspielte. Was nicht bedeuten soll, dass er kein populärer Schauspieler war. Zudem war Reagan zweimal Präsident der 1933 gegründeten Screen Actors Guild, was den Beginn seines politischen Engagements markierte.
Der letzte Spielfilm mit Ronald Reagan ist zugleich sein bester, und der erste, in dem er den bösen Jungen geben muss. The Killers von Don Siegel, zu dt. Der Tod eines Killers, ist ein existenzialistischer Gangsterfilm nach einer Kurzgeschichte von Ernest Hemingway um einen Auftragskiller und seinen jüngeren Gefährten, die eiskalt und rücksichtslos die Spuren eines Raubüberfalls verfolgen, hinreichend motiviert durch eine vermisste Million Dollar. Lee Marvin in der Hauptrolle gibt hier eine seiner besten Rollen und stirbt am Ende den berühmten titelgebenden Tod. Verbrechen lohnt sich eben im Film nicht, nur in der Realität.
24.08.2010
In Erinnerung an Christoph Schlingensief
50 Jahre Schlingensief
"Sie kamen als Freunde und wurden zu Wurst!" - so begann 1990 Schlingensiefs Version der deutschen Wiedervereinigung, innerhalb von nur 14 Tagen abgedreht, in der kettensägenschwingenden Hauptrolle der Oberstaatsanwalt a.D. Dietrich Kuhlbrodt. Das deutsche Kettensägenmassaker war einer der ersten Filme im Programm des frisch eröffneten Negativeland und ein früher Underground-Klassiker im großdeutschen Film.
Und später kam auch der Regisseur selber im Laden vorbei, um sich mit schwer erhältlichen Filmen weiterzubilden, da inszenierte er gerade seine ersten beiden Theaterstücke an der Volksbühne - "100 Jahre CDU - Spiel ohne Grenzen" und "Kühnen '94 - Bring mir den Kopf von Adolf Hitler", die auch der Verfasser dieser Zeilen mit viel Vergnügen gesehen hatte und es spricht für den immer noch thronenden Intendanten Castorf, damals Künstlern wie Schlingensief Raum gegeben zu haben, sich selbst und andere in Szene zu setzen.
Und dann die vielen folgenden Aktionen, Performances, Inszenierungen, Filme, Theaterstücke, Opern, Ausstellungen und da noch was und jenes und mittendrin immer Schlingensief als Hauptbezugspunkt. Ein weiter, aber konsequenter Weg von 100 Jahre Adolf Hitler - Die letzte Stunde im Führerbunker und Terror 2000 über "Talk 2000" und "Chance 2000" und "Bitte liebt Österreich" bis zur "Kirche der Angst" und "Parsifal" in Bayreuth. Und zum Schluß Krebs als Kunst. Als wäre es nur eine von seinen vielen Aktionen, halt ein bisschen länger und persönlicher als sonst.
Und alle, die seine Werke vorher eher mit Kopfschütteln zur Kenntnis nahmen, wurden nach und nach ganz ergriffen. Aber das ist nun auch vorbei, denn am 21. August starb Schlingensief in Berlin, knapp 50 Jahre nachdem er in Oberhausen das Licht der Welt erblickte.
Online-Kondolenzbuch Schlingenblog - Schlingensiefs Blog Überwindung des Theaters - Interview in der Spex vom 20.08.2010
03.08.2010
Martin Sheen zum 70. Geburtstag
Familienbande: Feta und Söhne
DER JAKOBINER meldet sich zu Wort: der 70. Geburtstag des durch die Hauptrollen im Klassiker Apocalypse Now und der TV-Serie West Wing sehr verdienten Schauspielers Martin Sheen wird zum Anlaß genommen, die Beziehungen zwischen Schauspielervätern und -söhnen zu untersuchen, genauer wie in der Regel aus großen Erzeugern Leinwandzwerge werden.
Ein altes chinesisches Sprichwort besagt, Vater und Sohn sollten nicht auf derselben Matte essen. Dabei kann vieles schief gehen: Die Matte ist zu klein, die Stäbchen sind zu lang, man gerät in verdauungsstörende Phrasendreschereien, so genannte Vater-Sohn-Gespräche – oder aber der Vater ist Schauspieler und der Sohn wird es dann auch und am Ende sitzen beide peinlich berührt um die halbleere Reisschüssel, der Sohn im Schatten des Vaters, der Vater einem mickrigen Abbild seiner selbst gegenüber, und der Appetit ist vergangen. Das Gesetz der geteilten Matte: Schicksalsregel bei FilmschauspielerInnen mit nur anderthalb potentiellen Ausnahmen – davon soll hier die Rede sein. [weiter]
17.07.2010
Donald Sutherland zum 75. Geburtstag
Einer vom dreckigen Dutzend
The Dirty Dozen (1967) und MASH (1970) waren sein Durchbruch in Hollywood, mit Hauptrollen in Filmen wie dem Verschwörungsthriller Klute (1971) - an der Seite von Jane Fonda, mit der sich Donald Sutherland gegen den Vietnamkrieg engagierte und den Dokumentarfilm F.T.A. (Free The Army bzw. Fuck The Army) drehte -, der Verfilmung des erschütternden Romans von Dalton Trumbo, Johnny got his gun (1971), dem Venedig-sehen-und-sterben-Klassiker Don't look now (Wenn die Gondeln Trauer tragen, 1973), der bösen Hollywood-Groteske The Day of the Locust (Der Tag der Heuschrecke, 1975), Fellinis Casanova (1976), Invasion of the Body Snatchers (Die Körperfresser kommen, 1977) und Robert Redfords Debüt als Regisseur, Ordinary People (1980), schrieb er Filmgeschichte. Alles in allem war der 1,94 große Hühne mit dem markanten Gesicht bisher in mehr als 150 Filmen zu sehen.
Rev. Dupas (Donald Sutherland): First, let me state to you, Alfred, and to you, Patricia, that of the 200 marriages I have performed, all but seven have failed. So the odds are not good.
Als 65jähriger spielte er an der Seite von anderen Heroen des amerikanischen Films wie Clint Eastwood, Tommy Lee Jones und James Garner den Frauenhelden in einer Gruppe alter selbstironischer Space Cowboys (2000), die mal eben in den Weltraum müssen, um was zu fixen, was nur sie kennen können, da die Technik ebenso gealtert ist wie sie selbst. Sehr schön ist die Szene, in der sich die Jungs nackt vor einer jungen Ärztin aufstellen müssen - die Kamera steht glücklicherweise hinter ihnen - und der einzige, der sich nicht schamvoll mit den Händen bedeckt, ist der aufrecht stehende und vielsagend grinsende Donald Sutherland.
Rev. Dupas: Why does one decide to marry? Social pressure? Boredom? Loneliness? Sexual appeasement? Love? I won't put any of these reasons down. Each in its own way is adequate, each is all right. Last year, I married a musician who wanted to get married in order to stop masturbating. Please, don't be startled, I'm not putting him down. That marriage did not work. But the man tried. He is now separated, still masturbating, but he is at peace with himself because he tried society's way.
Einer der schönsten Auftritte Sutherlands aber, der in vielen Filmen eher Neben- denn Hauptrollen spielte, ist der des Rev. Dupas in der großartigen Groteske Little Murders (1971), der Verfilmung eines erfolgreichen Theaterstücks und das Regiedebüt des Schauspielers Alan Arkin. Rev. Dupas leitet eine große Hochzeitszeremonie, in der er mehr oder weniger alle sozialen Geheimnisse der Anwesenden ausplaudert und darauf besteht, dass alles, aber auch wirklich alles einfach okay ist.
Rev. Dupas: Now, just last month, I married a novelist to a painter. Everyone at the wedding ceremony was under the influence of an hallucinogenic drug. The drug quickened our mental responses, slowed our physical responses, and the whole ceremony took two days to perform. Never have the words had such meaning!
13.07.2010
Patrick Stewart zum 70. Geburtstag
Make it so!
Was wäre die Science-Fiction-Serie Star Trek - The Next Generation (1987-1994) ohne Cpt. Jean-Luc Picard, den ambivalenten Kommandeur der zweiten Enterprise und Mittelpunkt einer der erfolgreichsten TV-Serien überhaupt. Nicht zuletzt der darstellerischen Glanzleistung von Patrick Stewart, der geschickt seine Arbeit in der Royal Shakespeare Company, in der er von 1966 bis 1982 einer der Hauptschauspieler war, mit den Erfordernissen amerikanischer Serienkultur kombinierte, ist das hohe Niveau dieser Serie zu verdanken, die aus einer Trashserie der 60er Jahre ein respektables und komplexes Werk schuf.
Patrick Stewart wirkte aber neben zahllosen Theaterstücken auch in vielen anderen Filmen und TV-Serien mit, gerade im englischen Fernsehen, so in den meisterhaften Verfilmungen von John le Carrés Romanen Tinker, Tailor, Soldier, Spy (1979) und Smiley's People (1982), in denen Stewart einen geheimnisvollen KGB-Mächtigen namens Karla spielt. Unvergessen auch die Verkörperung von Leondegrance in John Boormans bild- und tongewaltiger Verfilmung des Excalibur-Mythos. Und besonders empfohlen sei der kleine Leckerbissen mit Stewarts Auftritt in einer Episode der TV-Serie Extras, in der er sich selbst als eitlen Idioten spielt (so wie auch Ben Stiller in einer anderen Episode).
30.05.2010
Dennis Hopper ist tot
White Star - Wild in Westberlin
Am 29. Mai 2010 starb der große exzentrische Schauspieler, Regisseur, Fotograf und Maler Dennis Hopper, der sich für über ein halbes Jahrhundert für keine noch so beknackte Rolle zu schade war und doch auch vielen Meilensteinen der Filmgeschichte zu unvergesslichen und prägnanten Szenen verhalf. Dabei machte er in seiner darstellerischen Wucht keinen Unterschied zwischen so unterschiedlichen Rollen wie der eines kettensägenschwingenden Berserkers in Tobe Hooper's ABM-Maßnahme für europäische Zensurbehörden TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 (1986) oder der des sadistischen Bösewichts Frank Booth in David Lynch's Blue Velvet (1986), des durchgedrehten Journalisten im Dschungelreich von Colonel Walter E. Kurtz in Coppola's Apocalypse Now (1979) oder der des dubiosen Geschäftsmannes Tom Ripley in Wenders Der amerikanische Freund (1977). Und in vielen vielen anderen Filmen, von Johnny Guitar (1954) bis Elegy (2009).
Dennis Hopper spielte in vielen Filmen sehr extrovertierte Rollen, die explosivste Performance bot er wahrscheinlich in White Star (1983) von Roland Klick. Dort ist er ein gealterter Manager, der noch einmal das Spiel mitmachen will, einen unbekannten Sänger über Nacht zum Star zu machen, aber katastrophal scheitert. Kongenial ist Hoppers Schauspielleistung, so katastrophal wie genial, ein Drogenwrack an der Schwelle zur Hölle, die den Film zu einem fragmentarischem Desaster macht, das ohne Beispiel ist. Klicks vorletzter Spielfilm ist eine atemlose Jagd durch ein schön schäbiges Westberlin, das auch den Bundesfilmpreis bekam.
31.05.2010
Clint Eastwood zum 80. Geburtstag
Die Legende wird legendärer - Jahr für Jahr
Am 31. Mai hat er Geburtstag, der große amerikanische Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood. Stellvertretend für die vielen vielen tollen Filme, die Clint Eastwood der Filmwelt seit einem halben Jahrhundert beschert, soll ein eher unbekannter Film gepriesen werden - The Beguiled (Betrogen, USA 1970) von Don Siegel, einem Regisseur, den Eastwood immer als seinen Mentor betrachtete. Ein kleiner, dennoch ganz großer Film, in dem Eastwood wie der Hahn im Hennenkorb sitzt, als verwundeter Soldat im Sezessionskrieg, der, pflegebedürftig wie er gerade ist, von einem Frauenhaus aufgenommen wird. Nach und nach heilt er unter der liebevollen Behandlung dreier Frauengenerationen und nach und nach brechen die dort herrschenden puritanischen Regeln auf und Eastwood muss aufpassen, nicht zwischen den Frauenfronten zerrieben zu werden. Doch was soll der Mann machen? Er ist ja nicht aus Holz, vom Kopf mal abgesehen. Das böse Ende ist denn auch eines Roald Dahl würdig...
ZEIT Online: Sie sind jetzt in einem Alter, in dem es die meisten von uns etwas lockerer angehen würden. Warum arbeiten Sie weiterhin so viel? Clint Eastwood: Ich habe eigentlich geplant, dass ich in diesem Alter nicht mehr arbeiten muss. Aber niemand kann sein Leben so richtig planen. Mir macht die Arbeit mehr Spaß denn je, und ich bin in einem Alter, in dem ich größere Herausforderungen annehmen kann, weil ich mehr Erfahrung habe und mehr Wissen. Natürlich vergisst man in meinem Alter auch so einiges. Aber ich bin sehr glücklich, dass ich mein Leben lang in einem Beruf arbeiten durfte, der mir sehr gefällt, und ich werde damit weitermachen, bis mich jemand aus dem Verkehr zieht... "Bis mich jemand aus dem Verkehr zieht" - ZEIT Online, 17.03.2010
Clint Eastwood wurde 1930 in San Francisco geboren. Ab 1958 spielte er 8 Jahre lang in der Westernserie Cowboy mit und wurde dadurch vom großen Regisseur Sergio Leone entdeckt, der ihn in den Hauptrollen seiner Dollar-Trilogie besetzte. Durch den Erfolg dieser Filme bekam er dann Angebote in Hollywoodfilmen, darunter solchen, die zu Ikonen der Filmgeschichte wurden, wie z.B. Dirty Harry. Sehr früh begann Eastwood selbst Regie zu führen und gründete schon 1968 seine eigene Filmproduktionsfirma. Sechs Mal war Eastwood für den Oscar nominiert, vier Mal erhielt er ihn - jeweils zwei für Erbarmungslos (1993) und Million Dollar Baby (2005), bei denen er sowohl für Regie als auch Produktion verantwortlich war.
17.12.2009
Sgt. Pinback lebt nicht mehr!
Science-Fiction-Guru Dan O'Bannon ist tot
30. September 1946 - 17. Dezember 2009 amerikanischer Drehbuchautor u. Regisseur
Dark Star, Star Wars, Dune, Alien, Blue Thunder (Das fliegende Auge), Heavy Metal, Lifeforce, The Return of the Living Dead, Total Recall, Screamers - über drei Jahrzehnte wirkte Dan O'Bannon auf vielerlei Weise in der Hollywood Science Fiction Küche. Zusammen mit John Carpenter realisierte er 1970-74 den Science-Fiction- und Low-Budget-Klassiker Dark Star, spielte auch eine der Hauptrollen (Sgt. Pinback - der mit dem ausserirdischen Wasserball), arbeitete später bei den Special Effects für Star Wars mit, sollte dieses auch für die geplante Produktion Dune unter der Regie von Alejandro Jodorowsky tun, was aber nicht geschah, weil bekanntlich das ganze Projekt zum wiederholten Male scheiterte (bis es endlich bei David Lynch landete), war beteiligt am Moebius-Comic The long tomorrow, der wiederum die Ästhetik von SciFi-Filmen wie Blade Runner beeinflusste und dann schrieb er zusammen mit Ronald Shusett (bei dem er zu dieser Zeit wohnen musste, da gerade völlig mittellos) das Drehbuch für Alien, später dann ebenfalls mit Shusett das Drehbuch zu Paul Verhoevens Total Recall, nach einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick. Regie führte er bei der legendären Splatter-Zombie-Komödie The Return of the Living Dead. Am 17. Dezember verstarb er im Alter von 63 Jahren in Los Angeles.
04.12.2009
Stierlitz ist tot!
8. Februar 1928 - 4. Dezember 2009 russischer Schauspieler
Premierminister Wladimir Putin, Präsident Dmitri Medwedew und der russische Auslandsgeheimdienst kondolierten der Familie des am 4. Dezember in einem Moskauer Krankenhaus verstorbenen 81jährigen Schauspielers Wjatscheslaw Tichonow. Er war einer der populärsten russischen Filmdarsteller und erwarb sich vor allem in seiner Rolle als SS-Standartenführer Max-Otto von Stierlitz alias Maxim Isajew in der TV-Serie Siebzehn Augenblicke des Frühlings unsterblichen Ruhm in der Sowjetunion, der bis heute ungebrochen ist, wie die zahlreichen bekannten Anekdoten und Witze um die Eigenarten des Doppelagenten beweisen. Im monumentalen Epos Krieg und Frieden von Sergej Bondartschuk spielte Tichonow den Prinzen Andrei Bolkonski. Tichonow erhielt mehrere Auszeichnungen und prägte in mehr als 50 Filmen fast 60 Jahre russischer Filmgeschichte mit.
11.06.2009
John Wayne zum 30. Todestag
"Feo, fuerte y formal" - Er war hässlich, stark und hatte Würde
So war er wohl und so hätte seine Grabinschrift lauten müssen, wenn es nach ihm gegangen wäre, als er, einer der ganz ganz großen amerikanischen Schauspieler, also überlebensgroß, am 11. Juni 1979 nach langem Krebsleiden starb, das er sich - gerade eben er, der monumentale Patriot, im Film wie im Leben, und deshalb oft zitierte Ironie des Schicksals - bei Dreharbeiten in einer atombombentestverseuchten Wüste in Utah zugezogen hatte. Kein anderer Schauspieler hatte so viele Hauptrollen wie er und für Jahrzehnte dominierte er das Heldenfach im amerikanischen Film. Er spielte im Prinzip immer nur eine Rolle - eben hässlich, stark und würdevoll dreinzuschaun und zu handeln, und das auch hinter und neben der Kamera. Den Regisseuren John Ford und Howard Hawks lieh er in vielen später so benannten Meilensteinen der Filmgeschichte sein markantes Gesicht und seine über 1,90 große stattliche Figur. Und als dann am Ende seiner Karriere sowieso eine neue Zeit angebrochen war, auch im Genrefilm, das längst schon gebrochene oder zynische amerikanische Helden verlangte, wie beispielsweise einen Dirty Harry, gespielt von Clint Eastwood, da inszenierte ein typischer Regisseur dieser Zeit - Don Siegel -, sein (Film-)Leben noch einmal im elegischen Requiem The Shootist, in dem der krebskranke Schauspieler eine krebskranke Westernlegende mehr lebt als spielt, müde und sich nach Frieden sehnend, auch wenn er sein El Dorado - zumindest in diesem Film -, nicht finden wird.
08.05.2009
Dirk Bogarde zum 10. Todestag
Der Nachtportier - Verdammt und tot in Venedig
Derek Jules Gaspard Ulric Niven van den Bogaerde - so sein voller Geburtsname, war ein bedeutender britischer Schauspieler, dessen bekannteste Rolle wohl die des Gustav von Aschenbach in Luchino Viscontis Der Tod in Venedig gewesen sein dürfte. Wobei wir außer Mahler am Strand hören und dabei viel husten vor allem auf die Meisterwerke Die Verdammten (ebenfalls von Visconti) und Der Nachtportier von Liliana Cavani aufmerksam machen möchten, in denen Bogarde seinem Talent, ambivalente Charaktere zu spielen, glaubwürdig Geltung verschaffte. In Viscontis Stahl-und-Nazi-Oper, im italienischen Original nach Wagners Ring Götterdämmerung benannt, ist Bogarde ein höhergestellter Ingenieur in der Stahldynastie derer von Essenbeck, der durch Ambition, Skrupellosigkeit, Anstachelung durch seine lady-macbethsche Geliebte und Unterstützung der SS (brillant in der Rolle des Sturmbannführers Aschenbach, der der neuen Macht ein schaurig-schönes, eiskaltes Gesicht verleiht, in dessen Zügen ihre enorme Gefährlichkeit schlummert: Helmut Griem) die Generalvollmacht über die Werke erlangt und am Ende in fataler Selbstüberschätzung tragisch scheitert. Und im berühmten Skandalfilm der italienischen Regisseurin Cavani verkörpert er den ehemaligen SS-Offizier Maximilian Theo Aldorfer, nun ein seinen Gästen ergebener Nachtportier in einem Wiener Luxushotel, den der Zufall einer früherer Gefangenen (Charlotte Rampling in einer ihrer besten Rollen) begegnen lässt, um mit ihr die sadomasochistische Beziehung weiterzuführen, die sie im Konzentrationslager begonnen hatten. Das ist nun wirklich nicht die Art von Vergangenheitsbewältigung, die man bei diesem Thema erwarten würde und deshalb bis heute strong meat.
01.05.2009
Nachruf auf Fred Delmare
"Ein Wort genügt, und Saft ist immer für Sie da!"
Am 01. Mai verstarb ein jahrzehntelanger Begleiter der DDR-Film- und Fernsehgeschichte, der Schauspieler Fred Delmare, der vor allem vielen Nebenrollen sein Gesicht und seinen Nachrufen die Überschrift "Nebenrollenkönig" lieh. Von Ernst Thälmann - Führer seiner Klasse (1955) bis Zwei schräge Vögel (1989) war er einer der bekanntesten Mimen im Osten, der in Klassikern wie Nackt unter Wölfen (nach Bruno Apitz) und Jeder stirbt für sich allein (nach Hans Fallada) glänzte, auch in Die Legende von Paul und Paula, wo er den hoffnungslos unattraktiven, wenn auch bescheiden wohlhabenden Verehrer der Paula, den Reifen-Saft, spielte - insgesamt in über 200 Filmen. Delmare hatte ein sehr ausgefülltes Schauspielerleben, das auch nach der Wendezeit nicht endete – bis 2005 spielte er vor allem in Fernsehserien mit. Er wurde 87 Jahre alt.
01.04.2009
Kein Aprilscherz: Regisseur Niki List gestorben
Müllers Büro hat dicht gemacht!
Überraschend sank am 01. April der österreichische Filmregisseur Niki List nach der Eröffnung eines Filmfestivals zu Boden und verstarb leider viel zu früh mit 52 Jahren. Seine Filme Müllers Büro und Café Malaria werden für immer in der östereichischen Volksseele weiterleben und auch wir wollen nicht verhehlen, dass es sich bei diesen Kinoperlen um sehenswerte Klassiker des deutschsprachigen Filmes handelt.
01.01.2009
Johannes Mario Simmel ist tot
Im Frühling singt zum letzten Mal die Lerche
Bis dahin wollte sie allerdings nicht mehr warten: am ersten Tag dieses an Tagen noch jungen Jahres verstummte 84jährig der berühmte östereichische und vielleicht meistgelesene deutschsprachige Schriftsteller Johannes Mario Simmel, der Autor mit den schönen bzw. schön langen Buchtiteln. Natürlich wurde er oftmals verfilmt, abgesehen davon, dass Simmel auch viele Drehbücher verfasste. Die beste Adaption eines Simmel-Romans - im übrigen in Stil und Aufmachung ein unverwechselbares Markenzeichen - stammte vom Regisseur Roland Klick, eben Lieb Vaterland magst ruhig sein. Ruhig ist der fleissige Verfasser von 35 Romanen nun auch - möge er in Frieden ruhen.
Terry Pratchett was knighted
The Colour of Magic
Und noch ein Schriftsteller. Aber ein zum Glück noch recht Lebendiger. Auch wenn er gerade von der Queen geschlagen wurde, und zwar zum Ritter. Terry Pratchett, der weltberühmte Autor der Discworld-Romane wurde am letzten Tag des letzten Jahres zum Knight Bachelor ernannt und darf sich fürderhin Sir nennen, wie auch Sean Connery oder Michael Caine oder überhaupt eine ganze Legion britischer Kulturschaffender. Ein interessantes Verfahren, für das es auch ein französisches Äquivalent gibt - die Ehrenlegion. Jean-Paul Belmondo oder Claudia Cardinale sind beispielsweise Commandeurs de la Légion d’Honneur, Hartmut Mehdorn allerdings auch - der Autorenfilmer des Wirtschaftskrimis Die Bahn kommt. Wer ihn liebt, nimmt den Zug.
Sergio Leone zum 80. Geburtstag
ES WAR EINMAL IN ITALIEN
Am 03. Januar wäre er 80 Jahre alt geworden, der große Fetischist des europäischen Kinos, der italienische Regisseur Sergio Leone, der sich großen Ruhm mit seiner Dollar-Trilogie und der wahrhaftigen Westernoper Spiel mir das Lied vom Tod erwarb. In seinen Werken befreite er filmische Mythen, insbesondere die des amerikanischen Western, von allem moralischen Ballast und konzentrierte seine Figuren zu antiken Ikonen. Leone führte unter seinem eigenen Namen bei gerade mal sechs Filmen die Regie, doch diese Handvoll Filme sind zeitlose Zeugen virtuoser Regiekunst, die deutlich zeigen, wie sich Leone über die Jahre hinweg in seiner filmischen Sprache immer weiter perfektionierte, bis zu seinem letzten Film Es war einmal in Amerika.
12/2008
Philip K. Dick zum 80. Geburtstag
A Scanner Darkly
Auch wenn jeder Filme wie Blade Runner, Total Recall oder Minority Report kennen-, wenn auch vielleicht nicht schätzen gelernt hat, so ist doch der Autor der ihnen zugrunde liegenden Geschichten, der erst lange Zeit nach seinem viel zu frühen und seinem exzessiven Leben geschuldeten Tod als einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts gewürdigt wurde, hierzulande eher unbekannt. Am 16. Dezember 2008 wäre der manisch produktive Philip K. Dick, der sich in seinen 40 Romanen, weit mehr als 100 Kurzgeschichten, eigenen und sehr intensiven Drogenerfahrungen und auch in persönlichen Gottesvisionen stets mit der Frage der subjektiven und objektiven Realität auseinandersetzte, 80 Jahre alt geworden.
Robert Aldrich zum 25. Todestag
Kiss me deadly
Er war ein Enkel von John D. Rockefeller Jr. und entstammte einer konservativen wohlhabenden Familie, studierte Rechtswesen und Wirtschaft, und wich dennoch vom eigentlich schon vorgezeichneten Lebensweg ab und wurde kein Banker oder Jurist, sondern einer der interessantesten Regisseure im System Hollywood. Oft widmete er sich politischen Themen, die er in solide Thriller und Actionfilme verpackte, um sie ganz nach Hollywoodmanier fürs Publikum interessant zu machen, brauchte sich aber nie anzubiedern, behielt stets die Kontrolle über seine Filme, die er oft auch selbst produzierte. Er schuf Klassiker wie den Kriegsfilm The Dirty Dozen, den Film Noir Kiss Me Deadly oder Psychothriller wie Hush...Hush, Sweet Charlotte und Whatever happened to Baby Jane? Am 5. Dezember 1983 verstarb Robert Aldrich in L.A.
11/2008
Alan J. Pakula zum 10. Todestag
The Parallax View
Am 19. November 1998 starb infolge eines bizarren Autounfalls der amerikanische Regisseur Alan J. Pakula, der vor allem für seine politischen Verschwörungsthriller bekannt wurde. Seine Filme All the President's Men, The Parallax View und Klute gehören zu den Highlights der New Hollywood Ära der 70er Jahre. Pakula starb so kunstvoll arrangiert, wie manche Mordopfer in seinen Filmen, vor allem im meisterhaften Zeuge einer Verschwörung (The Parallax View, 1974). Ein vor ihm auf dem Highway fahrendes Auto schleuderte eine Eisenstange hoch, die seine Windschutzscheibe traf und seinen Kopf durchbohrte. Pakula war auf der Stelle tot. Als hätte es eine mysteriöse Agentur oder Firma geplant und ausgeführt...
09/2008
End of Story: The Wire
Read between the lines!
Die Frage, welche der beiden schwergewichtigen Kultserien der jüngeren amerikanischen Fernsehgeschichte - The Wire und The Sopranos - wohl mehr Preise an sich gezogen hat, ist eigentlich müßig, da beide Serien im Laufe der letzten Jahre eine fast unüberschaubare Anzahl an Kritikerlobeshymnen geerntet haben, und das nicht nur im Land der Tapferen und Freien. Auch hierzulande sind die sorgfältig komponierten und aufwendig orchestrierten Panoramen der amerikanischen Gegenwartskultur begeistert aufgenommen worden, wenn auch nicht in den deutschen Fernsehsendern. Aber auf DVD sind sie natürlich gut und auch komplett erhältlich, was leider auch bedeutet, dass beide Serien inzwischen ihr Ende erreicht haben. Die Sopranos packten letztes Jahr ihre Koffer in New Jersey, in The Wire gingen in diesem Jahr die Lichter in Baltimore aus. Und nun ist also gerade die fünfte und damit letzte Staffel von The Wire erschienen und damit auch dem deutschen Publikum zugänglich. Hier wird nichts verraten, nur noch einmal der alte Lobesgesang wiederholt: die Serie ist neben Deadwood unser erklärter Serienfavorit des zur Zeit erklärten besten Serienproduzenten HBO und bietet ein episches und detailliertes, ernsthaftes und ernst zu nehmendes, zugleich satirisch-zynisches Portrait des heutigen Amerikas am Beispiel der Stadt Baltimore, mit einem unglaublich gutem Darstellerensemble und HBO-gewohnten brillanten Dialogen und dramaturgischen Kniffen. Also einfach nur große Klasse!
Season 1: Listen carefully! >> Season 2: A new case begins... >> Season 3: Rules change. The game remains the same. >> Season 4: No corner left behind. >> Season 5: Read between the lines! >>
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